Küchenthemen
Ergonomie: Ihr Rücken plant mit
Eine Küche benutzt man Jahrzehnte, und zwar jeden Tag. Ob sie dabei bequem ist oder auf Dauer ins Kreuz geht, entscheidet sich bei Fragen, die im Möbelhaus selten gestellt werden: Wie hoch ist die Arbeitsplatte? Auf welcher Höhe sitzt der Backofen? Muss man sich zur Spülmaschine bücken? Genau diese Fragen stellen wir im Planungstermin. Hier ist das Wissen dahinter.
Die Arbeitshöhe: das Ellenbogenmaß
Die Standardhöhe vieler Küchen liegt um die 90 Zentimeter, gedacht für eine Durchschnittsgröße, die auf die wenigsten Haushalte exakt zutrifft. Die brauchbare Faustregel geht über den Ellenbogen: Winkeln Sie den Arm an; die Arbeitsplatte sollte 10 bis 15 Zentimeter unter dem Ellenbogen liegen. Bei einer Körpergröße von 1,80 Meter landet man damit eher bei 95 bis 100 Zentimetern.
Moderne Küchensysteme lösen das über Sockelhöhen und Korpusvarianten. Die Mehrkosten sind gering, oft entstehen gar keine. Kochen zwei unterschiedlich große Menschen, orientieren wir uns an der Person, die häufiger am Brett steht, oder arbeiten mit zwei Ebenen: Spülen und Schneiden höher, das Kochfeld eine Stufe tiefer, weil man in Töpfe von oben hineinschaut.
Spülmaschine und Backofen: hoch damit
Der Geschirrspüler steckt traditionell unter der Arbeitsplatte und wird dort täglich in gebückter Haltung be- und entladen. Auf Brusthöhe in einen Hochschrank eingebaut, verschwindet dieses Bücken komplett. Wer das einmal zwei Wochen hatte, gibt es freiwillig nicht mehr her; entsprechend oft planen wir die erhöhte Spülmaschine inzwischen ein.
Dasselbe gilt für den Backofen: Auf Sichthöhe eingebaut, schieben Sie das Blech waagerecht hinein statt in der Hocke, und der Blick auf den Kuchen kostet keine Kniebeuge. Der Preis dafür ist ehrlich benannt: Beide Umbauten kosten Hochschrank-Stellfläche, die dem Stauraum fehlt. In kleinen Küchen wägen wir deshalb gemeinsam ab, was wichtiger ist.
Dunstabzug: die Haube bekommt Konkurrenz
Der klassische Abzug hängt über dem Kochfeld. Er funktioniert, hat aber Nachteile, die man erst im Alltag bemerkt: Große Menschen stoßen sich den Kopf, und über einer Kochinsel dominiert die Haube den Raum.
Beim Kochfeldabzug, oft Muldenlüfter genannt, sitzt der Lüfter direkt im Kochfeld und zieht Dampf und Gerüche dort ab, wo sie entstehen: unten, bevor sie aufsteigen. Die Sicht bleibt frei, nichts hängt über dem Kopf. Beim Planen gehört dazu, dass die Technik unter dem Kochfeld Platz braucht und die Frage Abluft oder Umluft früh geklärt sein muss. Marken wie BORA haben diese Bauart bekannt gemacht; in unserer Ausstellung können Sie sie in Betrieb erleben. Der Wow-Effekt beim Wasserdampf-Test ist verlässlich.
Die Wege: das Arbeitsdreieck
Kühlschrank, Spüle und Kochfeld bilden die drei meistbesuchten Punkte jeder Küche. Liegen sie sinnvoll zueinander, als kompaktes Dreieck und nicht auf einer langen Linie hintereinander, sparen Sie an einem Kochabend hunderte Schritte. Beim Planen achten wir außerdem auf Abstellfläche direkt neben Kochfeld und Backofen: Ein heißes Blech will sofort irgendwohin, nicht erst nach drei Metern.
Licht: unterschätzt, bis es fehlt
Die Deckenleuchte hinter Ihnen wirft beim Schneiden einen Schatten genau auf das Brett. Unterbauleuchten an den Hängeschränken beleuchten die Arbeitsfläche dort, wo gearbeitet wird: blendfrei und inzwischen sparsam. In dunkleren Küchen planen wir sie standardmäßig mit ein.
Ergonomie kann man ausprobieren: Stellen Sie sich in unserer Ausstellung an Zeilen unterschiedlicher Höhe und beladen Sie die erhöhte Spülmaschine einmal selbst. Ihr Rücken gibt schneller eine Antwort als jeder Ratgeber.
